Leo Kirch spricht erstmals über seine Insolvenz und rechnet fest mit Sieg gegen die Deutsche Bank
Der Medienpleitier Leo Kirch hat sich erstmals nach der Insolvenz seiner Unternehmen im Frühjahr 2002 zu den Ereignissen geäußert und dabei im Vorfeld der Hauptversammlung der Deutschen Bank am Mittwoch seine Vorwürfe gegen das Kreditinstitut und dessen Aufsichtsratschef Rolf Breuer bekräftigt: "Die Insolvenz hätte vermieden werden können", sagte Kirch dem SPIEGEL und erhob schwere Vorwürfe gegen das größte deutsche Kreditinstitut. "Die Zerschlagung des Kunden Kirch war Bankpolitik", so Kirch zum SPIEGEL weiter. Als Beleg für seine Anschuldigungen, die er seit 2002 auch juristisch verfolgt, nannte Kirch ein Vorstandsprotokoll der Bank, das in den bisherigen Verfahren noch keine Rolle spielte. Darin zeige sich "ein klarer Fall von Kundenverrat", so Kirch. "Das Protokoll zeigt, dass Breuer in allen bisherigen Aussagen zum Thema gelogen hat." Kern der bisherigen Prozesse Kirchs gegen die Deutsche Bank und Breuer ist ein Interview, das der heutige Aufsichtsratschef Anfang Februar 2002 noch als Vorstandssprecher dem Börsensender Bloomberg TV gegeben hat und in dem er Aussagen zu Kirchs Kreditwürdigkeit machte. "Das Interview war meine Schlachtung", sagt Kirch, der nicht an eine spontane, unbedachte Bemerkung Breuers glaubt. "Das war keine unbedachte Äußerung. So einen gedrechselten Satz sagt man nicht einfach so. Das war abgestimmt, mit Anwälten durchgesprochen." Springer-Chef Mathias Döpfner ist für Kirch nur ein "Kriegsgewinnler", so der Medienunternehmer zum SPIEGEL. "Erschossen hat mich der Rolf." Kirch bekam in seinen Klagen bislang in zwei Instanzen recht, in den USA wurde seine Klage abgewiesen. Ende des Jahres wird der Fall vor dem Bundesgerichtshof verhandelt. Zu den Motiven seines juristischen Feldzuges sagte Kirch: "Ich will Kompensation für das, was Herr Breuer an unternehmerischer Leistung zerstört hat. Von 11 000 meiner Mitarbeiter sind 5000 entlassen worden, und ich habe mein ganzes Vermögen verloren." Eine Chance auf eine gütliche Einigung mit der Bank sehe er mit deren aktueller Führung nicht. Er werde die Verfahren, die schon drei Jahre andauern und bislang elf Millionen Euro verschlungen hätten, weiterfechten: "Ich weiß, ich werde gewinnen." Jenseits der Prozesse verfolge er auch neue geschäftliche Pläne: "Für etwas richtig Großes ist die Zeit noch nicht reif. Aber hungrig bin ich immer noch."