IG Metall weist Tarif-Vorschläge der Arbeitgeber zurück
Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, hat die Arbeitgeber davor gewarnt, die bisherigen Grundsätze der Tarifpolitik aufzukündigen. Sollte Gesamtmetall seine Ankündigung wahr machen, bei künftigen Tarifrunden die Preisentwicklung nicht mehr zu berücksichtigen, werde "auch die IG Metall über neue Prinzipien nachdenken", sagte Huber dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. So richte die Gewerkschaft ihre Forderung bislang danach aus, wie sich die Produktivität der Gesamtwirtschaft entwickle. "Es gibt jedoch nicht wenige Kollegen, die der Auffassung sind, wir sollten uns eher an der Produktivität der Metall- und Elektroindustrie orientieren". Die liege nämlich "in der Regel um mehrere Prozentpunkte über derjenigen anderer Branchen", sagte Huber. Wenn sich die Arbeitgeber "also nicht ins eigene Knie schießen wollen, kann ich ihnen nur dringend empfehlen, bei der bewährten Lohnformel zu bleiben". Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, hatte jüngst angekündigt, die Entwicklung der Preise nicht mehr in jedem Fall in die Tarifentgelte einzuberechnen. Zugleich mahnte der Gewerkschafter das eigene Lager davor, den jüngsten Abschluss in der Stahlindustrie auf die Metallbranche übertragen zu wollen. "Die Stahlunternehmen haben vergangenes Jahr durchweg glänzend verdient", sagte Huber. "Das war in der Metallindustrie in dieser Breite so nicht der Fall". Deshalb werde sich die Gewerkschaft "am Jahresende genau ansehen, wie die Entwicklung verlaufen ist". Es mache keinen Sinn, schon heute Marken für die nächste Runde in die Welt zu setzen, kündigte der IG-Metall-Funktionär an. Er plädiere "für einen Tarifpolitik der Berechenbarkeit und Kontinuität".