Razzia bei Klinik-Großunternehmer Marseille wegen Verdachts der Bilanzfälschung - DER SPIEGEL
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Razzia bei Klinik-Großunternehmer Marseille wegen Verdachts der Bilanzfälschung

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Unerwarteten Besuch eines Polizeiaufgebots hat letzten Mittwoch der umstrittene Klinik-Großunternehmer Ulrich Marseille erhalten. Unter Leitung des Berliner Landeskriminalamts durchsuchten Fahnder morgens vier Privatwohnungen des Ehepaares Marseille, die Zentralen der Marseille-Kliniken AG in Berlin und Hamburg sowie zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Hintergrund der Razzia ist ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Berlin wegen des Verdachts der Bilanzfälschung. Es geht um den schweren Vorwurf, die Marseille-Kliniken AG (Eigenwerbung: "Mit dieser Aktie können Sie alt werden") habe ein Tochterunterunternehmen falsch bilanziert: Die insolvente und inzwischen aufgelöste TD Trump Deutschland AG war einst als Joint Venture zwischen den Marseille-Kliniken und dem New Yorker Immobilien-Tycoon Donald Trump gefeiert worden und sollte in Stuttgart einen 180 Meter hohen Luxusturm errichten. Die Zwei-Millionen-Euro-Beteiligung des US-Investors war von Trump aber offenbar nie bezahlt worden - das Projekt scheiterte und trieb die TD in den Ruin. Marseille bestreitet den Vorwurf der Bilanzfälschung als "völlig aus der Luft gegriffen"; Hintergrund der Ermittlungen sei eine Intrige eines früheren Mitarbeiters. Überdies seien die Durchsuchungen rechtswidrig, denn er sei zum angeblichen Tatzeitpunkt nicht Vorstandsvorsitzender der Marseille-Kliniken gewesen.

Anmerkung der Redaktion

Der gegen Ulrich Marseille erhobene Vorwurf der Bilanzfälschung hat sich nicht bestätigt. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde im Jahr 2006 mangels Tatverdachts gem. § 170 Abs. 2 StGB eingestellt. Das Amtgericht Tiergarten hat 2007 zudem festgestellt, dass die Hausdurchsuchung unzulässig war und eine Entschädigung zuerkannt.