SPD-Linke Nahles: "Mir fehlt das Konzept für den Wahlkampf"
Die SPD-Linke Andrea Nahles hat Bundeskanzler Schröder und Parteichef Müntefering vorgeworfen, die SPD mit der falschen Strategie in den Wahlkampf zu führen. "Ein Plebiszit über die Agenda 2010 allein reicht nicht", sagte Nahles dem Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL. "Die Leute wählen nicht das Vergangene, sie wählen die Erwartung. Die Agenda 2010 aber ist Vergangenheit", sagte sie. "Für die Agenda kriegen wir vielleicht irgendwann einmal den Ehrenpreis für aufrichtige Reformen, doch eine Wahl gewinnen wir so nicht." Bislang fehle ihr das Konzept für diesen Wahlkampf, sagte Nahles. Sie forderte einen "Neubeginn" der SPD. Von Müntefering erwarte sie, dass er die Kapitalismuskritik weiterführe. Diese zahle sich langfristig aus und müsse sich im Wahlprogramm der SPD widerspiegeln. "Ich erwarte mehr als nur Reden und Konferenzen zu diesem Thema." Zugleich warnte sie davor, im Wahlkampf zu stark auf den Kanzler zu setzen. "Eine zu starke Personalisierung auf ihn wird nicht funktionieren", sagte Nahles. Die Wahl in Nordrhein-Westfalen habe deutlich gezeigt, dass der bessere Spitzenkandidat "keine Gewähr für einen Wahlsieg" sei. Nahles kritisierte die Absetzbewegung der SPD-Parteispitze von den Grünen. "Dieser inszenierte Konflikt mit den Grünen ist mir ein taktisches Rätsel. Was soll diese Bruchrhetorik?" Mit den Grünen gebe es nach wie vor die größte Schnittmenge. "Ich sehe nicht, wie man einen Richtungswahlkampf gegen Schwarz-Gelb führen will, wenn man den Partner selbst in Frage stellt", sagte Nahles.