EZB-Chefvolkswirt Issing deutet Zinssenkung an - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

EZB-Chefvolkswirt Issing deutet Zinssenkung an

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Otmar Issing, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, hat im Interview mit dem SPIEGEL eine lockerere Geldpolitik angedeutet. Auf die Frage, ob die Finanzmärkte richtig liegen, wenn sie eine Zinssenkung für die nächsten Monate erwarten, sagte Issing: "In der Vergangenheit haben die Finanzmärkte die geldpolitischen Entscheidungen der EZB so gut wie immer richtig eingeschätzt." Den Kurswechsel begründet Issing damit, dass "das schwächere Wirtschaftswachstum die Risiken für die Preisstabilität abgeschwächt" habe. Nach der Ablehnung der Europäischen Verfassung durch Frankreich und die Niederlande sieht Issing den europäischen Integrationsprozess an einem Wendepunkt. Zwar fürchtet Issing keine kräftige Abwertung gegenüber dem Dollar, dennoch bleibe "der Euro-Kurs vom politischen Misstrauensvotum nicht unberührt". Weiter sagte Issing, dass der Euro nicht für die Wachstumsschwäche in Deutschland verantwortlich gemacht werden könne. Issing: "Die langfristigen Nominalzinsen sind in Deutschland so niedrig wie seit mehr als hundert Jahren nicht mehr."