Verurteilung von NS-Kriegsverbrechern durch italienisches Militärtribunal setzt deutsche Justiz unter Zugzwang - DER SPIEGEL
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Verurteilung von NS-Kriegsverbrechern durch italienisches Militärtribunal setzt deutsche Justiz unter Zugzwang

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Nach der Verurteilung von zehn ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS-Division "Reichsführer SS" zu lebenslanger Haft durch ein italienisches Militärtribunal gerät nun die bundesdeutsche Justiz unter Zugzwang. Seit 2002 ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen neun der in Abwesenheit verurteilten Männer wegen des Verdachts, im August 1944 nahe der toskanischen Stadt Lucca Hunderte Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, auf brutale Weise getötet zu haben (SPIEGEL 17/2004). Eine Anklage ist nicht in Sicht, erst seit Beginn dieses Jahres wird der zuständige Staatsanwalt von einer achtköpfigen Sonderkommission des Landeskriminalamts unterstützt. Die Ermittler hatten in zeitraubender Weise alle noch lebenden SS-Männer ausfindig machen müssen, die am Tatort waren. Derzeit forschen sie nach dem früheren Kompaniefunker, der bekunden könnte, wer damals den Tötungsbefehl gab. Einer der insgesamt 14 Beschuldigten im Alter zwischen 79 und 93 Jahren hat zugegeben, auf Frauen und Kinder gefeuert zu haben, "bis der Patronengurt leer war". Schon im September 1944 hatten Spezialisten der US-Armee das Massaker von Sant'Anna di Stazzema untersucht. Ihr Dossier verschwand aber unbearbeitet in einem Schrank der römischen Generalstaatsanwaltschaft. Die Italiener nennen ihn den "Schrank der Schande".