Citigroup-Vize Rubin plädiert für flexiblere Arbeitsmärkte in Europa überparteiliche Koalition soll US-Probleme lösen
Der ehemalige Finanzminister der USA und heutige Vizechef der Citigroup, Robert Rubin, hält niedrigere Steuern in Deutschland für den falschen Weg, die konjunkturelle Stagnation zu überwinden. "Ich glaube nicht, dass Steuern Ihr Problem sind", sagte Rubin dem SPIEGEL, "es geht doch darum, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren und nachhaltig Wachstum zu schaffen. Das erreichen Sie nicht über Steuersenkungen." Auch für Unternehmensansiedlungen in Osteuropa seien nicht die dort niedrigeren Steuern maßgeblich sondern die höhere Flexibilität und Dynamik in der Region. Bei Investitionsentscheidungen gehe es "fast ausschließlich um die Schwierigkeiten, Leute, die jemand beispielsweise in Deutschland einstellt, wieder loszuwerden, falls das nötig sein sollte, oder um die Hürden beim Bau oder bei der Schließung von Fabriken". Rubin hält vor allem eine Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und eine Reform der Sozialsysteme für notwendig. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme in den USA vor allem des Budget- und des Handelsdefizits plädiert der Ex-Politiker für eine überparteiliche Koalition: "Man muss den Präsidenten und die Vorsitzenden beider Häuser an einen Tisch bringen", sagte Rubin, "ich glaube, die politische Herausforderung ist so groß, dass man sie nicht meistern kann es sei denn, man macht es gemeinsam." Rubin sieht, vor dem Hintergrund steigender Zinsen in den USA, zudem die Gefahr eines stagnierenden Konsums. "Wenn wir nicht handeln, können wir in große Schwierigkeiten geraten", so Rubin.