Schavan will Kongress zu Ganztagsschulen boykottieren
Wenig Interesse an einer qualitativen Verbesserung ihrer Ganztagsschulen hat die Landesregierung von Baden-Württemberg. Kultusministerin Annette Schavan (CDU) will einen für September vom Bundesbildungsministerium initiierten Ganztagsschulkongress in Berlin boykottieren. Dort wollen Lehrer, Erzieher und Soziologen ihre Erfahrungen austauschen. In einem Schreiben von Schavans Ministerium an die vier Regierungspräsidien des Landes heißt es: Baden-Württemberg unterstütze den Kongress nicht "und wird keine Ganztagsschulen benennen, die dort ihr Konzept präsentieren sollen". Die Regierungspräsidien würden "gebeten, auf Anfrage Schulen dahingehend zu beraten, dass von Seiten des Landes eine Teilnahme an der Veranstaltung nicht befürwortet wird". Anlass, so ein Ministeriumssprecher, seien "grundsätzliche Erwägungen": Die Bildungspolitik sei nun mal "Herzstück der Länderkompetenz". Anfang Juli hatte der Landesrechnungshof in einem Prüfbericht attestiert, Ganztagsschulen könnten sich "positiv auf das allgemeine Schulklima, die Arbeit der Lehrkräfte sowie auf das Sozialverhalten der Schüler" auswirken. Die Prüfer forderten die Landesregierung aber auf, die Leistungsfähigkeit der Ganztagsschulen zu evaluieren und die Förderung daran zu orientieren. Die bisherige Verteilung der Bundesmittel, die sich bis 2007 auf vier Milliarden Euro für die Länder belaufen, sei "weder problemorientiert noch sachgerecht" erfolgt.