Springer-Chef Döpfner fordert faire und nüchterne Konzentrationsprüfung
In seinem ersten Interview nach der Übernahme der Münchner Senderfamilie Pro- SiebenSat.1 durch die Berliner Axel Springer AG hat sich deren Vorstandschef Mathias Döpfner scharf gegen die zahlreichen Kritiker gewandt, die im größten Medien- Merger der deutschen Geschichte eine unzulässige Konzentration von Medienmacht sehen und eine Einschränkung der Medienvielfalt fürchten. Wenn es um Springer gehe, so Döpfner, liefen offenbar "viele mit alten Klischees oder Feindbildern im Kopf" herum. "Wir sind ein bürgerliches, liberales Haus, liberaler als viele unserer Wettbewerber � und weil wir anders sind als der deutsche Meinungs- Mainstream, vielen ein Dorn im Auge." Mit Bundeskanzler Gerhard Schröder habe er zuletzt am Tag der Bekanntgabe über das Geschäft gesprochen. Schröder habe "professionell und gelassen" reagiert. "Er hat gesagt, das sei kein Thema für die Politik." Das Szenario eines konservativen Medienverbundes laufe ohnehin ins Leere, so Döpfner. "Axel Springer ist heute ein kapitalmarktorientiertes, auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtetes Unternehmen. Parteipolitische Missionsarbeit könnten wir uns gar nicht leisten, das würden uns unsere Investoren nicht durchgehen lassen." Im Moment sei die Debatte stark von den Interessen der Wettbewerber vernebelt, so der Springer-Chef. "Hinzu kommt der ideologische Schaum vor dem Mund." Er wünsche sich eine nüchterne Diskussion über Konzentration und Meinungsmacht, so Döpfner: "Ich plädiere für Gleichbehandlung, für Objektivität und Fairness." Zu der Frage nach der Handlungsfähigkeit seines Konzerns, der die Übernahme unter anderem durch Kredite in Höhe von rund drei Milliarden Euro finanzieren will, sagte Döpfner, man werde den Wettbewerben "nicht den Gefallen tun, auf Angriffe nicht reagieren oder Chancen nicht nutzen" zu können. "Wir sind beispielsweise gewappnet für mögliche Angriffe durch neue Gratiszeitungen. Das ist in den Finanzierungsplänen, die wir mit den Banken verabschiedet haben, enthalten", so der Springer-Chef. Größere Akquisitionen werde und könne es indes nicht geben. In die Programmplanung der Fernsehgruppe um ProSieben und Sat.1 will der Konzernmanager sich nicht einmischen. "Ich bin kein Experte, und ich maße mir auch in Zukunft nicht an, in Details der Programmplanung reinzureden. Fernsehen nach Döpfner-Geschmack, das wäre ein sicherer Weg zum Misserfolg", so Döpfner.