Zetsche wird Mercedes-Chef, Bernhard bleibt in Wolfsburg - DER SPIEGEL
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Zetsche wird Mercedes-Chef, Bernhard bleibt in Wolfsburg

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der designierte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche soll nach Informationen des SPIEGEL möglichst ab dem 1. September, spätestens aber vor Beginn der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt, kommissarisch die Führung der Mercedes Car Group übernehmen. Darauf hat sich das Präsidium des Aufsichtsrats geeinigt. Anschließend könne Zetsche binnen einiger Monate einen geeigneten Chef für diesen Teil des Konzerns suchen. Spekulationen, nach denen der ehemalige DaimlerChrysler-Vorstand und heutige Markenchef von Volkswagen, Wolfgang Bernhard, den Posten besetzen solle, bezeichnet Betriebsratschef Erich Klemm gegenüber dem SPIEGEL als "Quatsch". Auf einer außerordentlichen Sitzung, zu der die Verkaufsleiter am vergangenen Donnerstag in Berlin zusammengekommen waren, wurde ein kleines Notprogramm beschlossen, um den Absatz der Marke Mercedes-Benz zu fördern, der in den ersten sechs Monaten des Jahres in Deutschland um sieben Prozent zurückgegangen ist. Bislang mussten Händler ihre Vorführwagen in der Regel sechs Monate, mindestens aber drei Monate halten, bevor sie diese an Kunden weiterverkaufen durften. Diese Haltedauer wurde völlig aufgehoben. Jetzt können Vorführwagen schon nach einem Tag verkauft werden. Dennoch rechnet der Vertrieb nicht mehr damit, das Absatzziel für dieses Jahr in Deutschland zu erreichen. Hier sollten ohne Berücksichtigung des Absatzes an Werkangehörige 256000 Mercedes-Benz-Fahrzeuge verkauft werden. Jetzt geht der Konzern nur noch von einem Absatz von 220000 Autos aus. In der Affäre um Graumarktgeschäfte liegen dem SPIEGEL Dokumente vor, die belegen, dass die Konzernführung seit langem von diesen Geschäften wusste. In einem Bericht vom 7. Juli 2004 beschreibt die Konzernrevision solche Geschäfte mit den Vertretungen in Aserbaidschan, Kirgisien und Usbekistan. In den Jahren 2001 bis 2003 lieferte die Vertriebsorganisation DaimlerChrysler Overseas die überwiegende Zahl der Fahrzeuge, die sie offiziell an die Regionalvertretungen in den drei Staaten verkaufte, tatsächlich an bekannte Graumarkthändler, die diese Autos dann in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland auf den Markt brachten. DaimlerChrysler droht aus diesen Geschäften möglicherweise eine Umsatzsteuernachzahlung für jene Fahrzeuge, die in Deutschland blieben. "Bei mangelhaften oder fehlenden Ausfuhrnachweisen besteht das Risiko der Umsatzsteuernachzahlung", heißt es in dem Revisionsbericht, "dabei liegt es im Ermessen der Finanzbehörden, eine zusätzliche Strafzahlung zu erheben". Den Bericht erhielt unter anderem der Leiter des Stabs des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp.