Volkert verlässt VW
Klaus Volkert, der wegen der Affäre um Lustreisen für Betriebsräte und ein Geflecht von Tarnfirmen zurückgetretene Betriebsratschef des VW-Konzerns, hat sich ohne Fortzahlung des Gehalts bis 30. November freistellen lassen und geht anschließend in den Ruhestand. Volkert, der einst als mächtigster Betriebsrat Deutschlands galt, kam damit offenbar einem drohenden Rausschmiss durch den Konzern zuvor. Die von diesem eingeschalteten Wirtschaftsprüfer von KPMG sind bei ihren Untersuchungen auf Hinweise darauf gestoßen, dass der entlassene Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer Reisen von Volkert, die privaten Zwecken dienten, als Dienstreisen abgerechnet hat. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb gegen Volkert und nimmt dessen Reisen unter anderem nach Indien und Brasilien unter die Lupe. Treffen die Vorwürfe zu, hätte sich Volkert der Anstiftung oder Beihilfe zur Untreue schuldig gemacht, für die Untreue selbst wäre Gebauer verantwortlich. Kaum belangen können die Staatsanwälte Volkert wegen der von ihm eingeräumten Beteiligung an der Firma F-Bel, die versucht hatte, von der VW-Tochter µkoda den Auftrag zum Bau einer kleinen Autostadt in Prag zu erhalten. Das Projekt kam nicht zustande. Es kann deshalb auch nicht wegen Untreue ermittelt werden, und versuchte Untreue ist nicht strafbar. Im Betriebsrat wächst unterdessen die Wut auf den einstigen Chef, der sich beispielsweise zu dem Vorwurf, er habe auf Kosten des Konzerns Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen, nicht äußert. "Wir sind pauschal dem Vorwurf ausgesetzt, Betriebsräte seien käuflich", sagt ein Arbeitnehmervertreter, "und Volkert taucht einfach ab." Nachdem Volkert seinen Rücktritt als Betriebsratschef erklärt hatte, machte er zunächst Urlaub, meldete sich anschließend krank, bis er sich jetzt freistellen ließ. Volkert war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.