Gasprom-Chef geht von weiter steigenden Gaspreisen aus
Der Chef des russischen Energiemultis Gasprom, Alexej Miller, hat Forderungen deutscher Politiker nach einer Abschaffung der Bindung des Gaspreises an den Ölpreis eine deutliche Absage erteilt. In einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL sagte Miller, dass der Gaspreis auch in Zukunft "weiter mit dem Ölpreis steigen" werde. Daran, so Miller, werde sich nichts ändern. "Im Gegensatz zum Öl", so der Gasprom-Chef zur Begründung, gebe es für "Erdgas keinen Marktpreis, der an der Börse wirklich ermittelt werden könnte". Zum Vertrag über eine deutsch-russische Ostsee-Pipeline, der am Donnerstag in Berlin unterzeichnet wurde, führte Miller aus, dass sich neben E.on und BASF möglicherweise auch noch andere Konzerne an dem Bau des 1200 Kilometer langen Rohrsystems beteiligen könnten. Dass es sich dabei um die Energiegiganten BP und Shell handeln könnte, wollte Miller nicht kommentieren. Allerdings stellte der Gasprom-Chef eindeutig klar, dass sein Konzern auch bei einer möglichen Erweiterung des Konsortiums den Führungsanspruch behalten werde. Deshalb sei in den Verträgen vereinbart, dass "zuvor unsere deutschen Partner gefragt werden. Denn die Hereinnahme eines weiteren Partners ginge nur zu Lasten ihrer Anteile". Zur möglichen Übernahme des fünftgrößten russischen Ölkonzerns Sibneft, der zu 72 Prozent einer Gruppe um den in London lebenden Milliardär Roman Abramowitsch gehört, sagte Miller, dass Gasprom dieser Kauf "von unserem Finanzberater der Deutschen Bank empfohlen worden" sei. Zum gegenwärtigen Verhandlungsstand der größten Firmenübernahme in der russischen Geschichte äußerte sich Miller im SPIEGEL-Interview diplomatisch: "Wo Rauch ist, da ist auch Feuer." Miller bekräftigte in dem Interview zudem seine Pläne, in "zwei bis drei Jahren" mit Gasprom an die New Yorker Börse zu gehen, um dort "erstklassige Investoren zu werben". Als Börsenvorbereitung werde sich Gasprom in Zukunft stärker auf Energieaktivitäten konzentrieren und Randgeschäfte wie Tierfarmen oder Hotels abstoßen. "Alles, was nicht zum Kerngeschäft gehört", so Miller, "soll mittelfristig ausgelagert werden." Zur Disposition steht bei den Umstrukturierungsplänen offenbar auch die Gasprom-Bank. Im Zuge der Konzernsanierung, so Miller, müsse man sich fragen, "ob wir sie mittelfristig behalten müssen".