Musikindustrie will deutsche Popmusik exportieren
Die Musikindustrie will von der anhaltenden Erfolgswelle neuer deutscher Popmusik jetzt auch im Ausland profitieren. So hat etwa die Gruppe "Wir sind Helden", die Vorreiter-Band des Deutschpop-Booms, gerade verschiedene Titel ihres aktuellen Albums auf Englisch, Französisch und sogar Japanisch aufgenommen. Bei der Plattenfirma EMI ist man überzeugt, dass die deutsche Erfolgsband auch international Potential hat, und prüft nun, wie und in welchen Ländern ein Versuch unternommen wird. Auch der Plattenkonzern SonyBMG hat im Ausland ein Interesse an aktueller deutscher Popmusik registriert: Die Plattenmanager in anderen Ländern müssten nicht wie früher erst nachdrücklich überredet werden, deutschen Künstlern eine Chance zu geben, heißt es in der SonyBMG-Geschäftsführung. Anfragen gab es etwa für die deutsch singende Band Silbermond. Allerdings will SonyBMG zunächst vor allem englisch singende deutsche Künstler ins Ausland bringen: Für den Reggaestar Gentleman und die Sängerin Joy Denalane, beide vom jüngst eingekauften Label Four Music, sehen die Manager gute Chancen. Die internationalen Pläne der Plattenfirmen könnten endlich das einseitige Bild deutscher Popmusik im Ausland verändern, das immer noch vor allem von Kraftwerk und Nena geprägt ist: Die Elektronikband landete 1975 in den Top Ten der amerikanischen Charts, der Nena-Hit "99 Luftballons" schaffte es 1984 in den USA auf Platz zwei und in England bis an die Chartspitze. Ausgerechnet die Brachial-Rocker Rammstein ("Feuer Frei!") waren in den vergangenen Jahren als einzige deutsche Band über die Grenzen hinaus erfolgreich.