Heftige Kritik in Union an Merkels Wahlkampf
Trotz der Mahnungen von CDU-Chefin Angela Merkel zur Geschlossenheit ist in der Union die Debatte über die Gründe des schlechten Ergebnisses bei der Bundestagswahl voll entbrannt. Führende Unionspolitiker machten vor allem den emotionslosen Wahlkampfstil von Merkel und die im Wahlprogramm angekündigten Kürzungen für die Schlappe am 18. September verantwortlich. "Wir haben einen zu nüchternen, kühlen Wahlkampf geführt", sagte der bayerische Innenminister Günther Beckstein dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann:"Wir haben die Herzen der Menschen nicht erreicht." Die CDU sei im Wahlkampf zu stark auf die Interessen des Wirtschaftsflügels der Partei eingegangen. "Diejenigen, die über die Entsozialdemokratisierung der CDU gejubelt haben, finden sich jetzt in einer Großen Koalition wieder", sagte Laumann. Bei einer Sitzung des CDA-Vorstandes am vorvergangenen Freitag beklagte Laumann nach Informationen des SPIEGEL, dass die CDU-Führung zentrale CDA-Forderungen wie eine Erhöhung des Kindergeldes und eine abschlagsfreie Rente mit 63 für Arbeitnehmer mit langen Beitragszeiten abgelehnt habe. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte, die Union habe im Wahlkampf die Bürger mit zu vielen Belastungen konfrontiert: "Mit Mehrwertsteuererhöhung, Kürzung der Pendlerpauschale und Lockerung des Kündigungsschutzes haben wir den Wählern einfach zu viel zugemutet." Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers warnte seine Partei davor, Geringverdiener zu vernachlässigen. "Die CDU muss aufpassen, dass bei ihrer Politik wirtschaftliche Kompetenz und soziale Gerechtigkeit beieinander bleiben."