Schröder und Müntefering wollen Platzeck als Außenminister / "Ich bleibe in Brandenburg"
Die SPD hat sich entschieden: Das Auswärtige Amt soll bei den Koalitionsverhandlungen auf keinen Fall an die Union fallen. Im Parteivorstand am vergangenen Donnerstag wies der Vorsitzende Franz Müntefering gleich zu Beginn darauf hin, dass auch in der Großen Koalition eine Außenpolitik verfolgt werden müsse, die wie bisher die Rolle Deutschlands als "Friedensmacht" sicherstelle. Müntefering und der Kanzler betrachten das Auswärtige Amt vor allem als strategisch günstige Startposition für einen zukünftigen Kanzlerkandidaten. So kam einst Willy Brandt zum Erfolg - vom Amt des Berliner Regierenden Bürgermeisters über das Außenressort in der Großen Koalition zur Kanzlerschaft. In den letzten Wochen umwarben Gerhard Schröder und Müntefering mehrfach Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, 51, der ihnen wegen seiner Popularität als ideale Besetzung gilt. Er könnte als Außenminister genügend Erfahrung sammeln, um in vier Jahren bei der Bundestagswahl als Spitzenmann anzutreten. Platzeck sträubt sich. Erst vor wenigen Tagen hatte er öffentlich verkündet: "Ich bin ein Provinz-Ei." Er sei in Brandenburg erst vor einem Jahr wiedergewählt worden: "Das ist Verpflichtung genug für mich." Intern versicherte Platzeck vorigen Donnerstag auch nach der Offerte noch einmal: "Ich bleibe in Brandenburg."