Arbeitgeber kritisieren Berliner Verbandsspitze
Bei den Arbeitgeberverbänden gibt es Unmut über Effizienz, Organisation und politische Ausrichtung ihrer Berliner Zentrale, die vom baden-württembergischen Unternehmer Dieter Hundt sowie Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner geleitet wird. Das geht aus einer internen Leistungsbewertung der südwestdeutschen Metallarbeitgeber hervor. Die Organisation kritisiert, dass eine Reihe von Abteilungen der Zentrale Doppelarbeit erledigten. Bei zahlreichen tarifpolitischen Themen gebe es "keinerlei Kontaktaufnahme" mit den Mitgliedsverbänden und "extrem wenig Verständnis für praktische Probleme". Bei Fragen des Arbeitsschutzes und der Gesundheitsförderung gebe es "de facto keine konzeptionelle inhaltliche Arbeitgeberposition", so dass deutsche Interessen in Brüssel nur "relativ schwach wahrgenommen" würden. Die volkswirtschaftliche Abteilung wiederum sei personell "recht luxuriös ausgestattet" und bearbeite "einige Themenfelder, die fachlich in den Aufgabenbereich" anderer Verbände fielen. Zudem mahnt Südwestmetall bei der politischen Arbeit des Dachverbandes "ein bisschen mehr Zurückhaltung" an. Wenn man "in der ohnehin übersättigten Reformdebatte stetig ein weiteres Fass aufmacht", verpuffe die Wirkung. Für fragwürdig halten die Stuttgarter zudem, dass Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner zugleich Mitglied der Unionsfraktion im Bundestag ist. So zitiert das Papier einzelne Verbandsmitglieder, nach denen Göhner "eher CDU-Positionen in die Arbeitgeberarbeit hineinträgt als Arbeitgeberpositionen in die Politik". Südwestmetall-Geschäftsführer Ulrich Brocker bezeichnet die Analyse als "Routineangelegenheit". Insidern zufolge verbirgt sich hinter der Diskussion ein erneuter Versuch, die getrennten Zentralen von Arbeitgeberverband und Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) unter der Leitung von Jürgen Thumann zu fusionieren.