Holtzbrinck führt mit britischem Finanzinvestor Verkaufsgespräche über den Berliner Verlag
Der Stuttgarter Holtzbrinck-Konzern ("Handelsblatt", "Wirtschaftswoche", "Zeit") ist mit dem britischen Finanzinvestor 3i in Verkaufsgesprächen über den Berliner Verlag, in dem neben dem Flaggschiff "Berliner Zeitung" auch der "Berliner Kurier" sowie das Stadtmagazin "Tip" erscheinen. Das erfuhr das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL aus unternehmensnahen Kreisen.
Holtzbrinck hatte zuletzt schriftlich einen für den 18. Oktober angesetzten Verhandlungstermin vor dem Bundesgerichtshof mit der Begründung abgesagt, man befinde sich aktuell in Verkaufsverhandlungen. Der BGH wollte sich mit einer Beschwerde der Stuttgarter gegen eine Kartellamtsentscheidung aus dem Jahr 2002 befassen. Damals hatten die Kartellwächter dem Konzern, der in Berlin bereits den "Tagesspiegel" kontrolliert, die Übernahme des Berliner Verlags untersagt, weil sie eine marktbeherrschende Stellung der Schwaben im Abo-Zeitungsbereich befürchteten.
Bislang war in der Öffentlichkeit darüber spekuliert worden, dass sich Holtzbrinck vom seinem defizitären "Tagesspiegel" trennen würde - der Berliner Verlag erwirtschaftete im Vorjahr insgesamt einen Gewinn von rund neun Millionen Euro, dazu trug das Flaggschiff "Berliner Zeitung" allein 5,6 Millionen bei.
Holtzbrinck-Manager Michael Grabner mochte zu den Verhandlungen mit der Beteiligungsgesellschaft, die sich im vorigen Jahr auch schon um einen Einstieg in die kriselnde "Frankfurter Rundschau" bemüht hatte, auf SPIEGEL-Anfrage nichts sagen: "Kein Kommentar."