Münchner Krebsexperte beklagt Unterversorgung von Brustkrebs-Patientinnen
Rund 80 Prozent der Patientinnen mit einer bestimmten aggressiven Form von Brustkrebs "werden in Deutschland unterversorgt". Das sagte Wolfgang Eiermann, der Ärztliche Direktor der Münchner Frauenklinik vom Roten Kreuz, dem Hamburger Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL. Die meisten betroffenen Frauen wüssten nichts von den bestehenden Behandlungsmöglichkeiten mit dem Medikament Herceptin. In den Kliniken, die sie behandelten, gehöre die moderne Arzneimitteltherapie noch nicht zum Standard. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 50000 Frauen an Brustkrebs. Etwa 10000 von ihnen leiden unter einem Tumor, der hohe Mengen des Proteins HER2 produziert. Diese Frauen können in einem frühen Stadium der Erkrankung nach oder sogar während der Chemotherapie von Herceptin außerordentlich profitieren: Das Mittel halbiert offenbar das Risiko, einen Rückfall zu erleiden. Das ist eines der Ergebnisse von drei großen Studien, die vergangene Woche im Fachblatt "New England Journal of Medicine" erschienen sind. "Bei solch dramatischen Verbesserungen der Überlebensraten", so Eiermann im SPIEGEL, "kann man den Frauen das Mittel nicht länger vorenthalten". Allerdings versuchten die Krankenkassen, den drohenden Ausgaben zu entgehen. Herceptin kostet pro Patientin bis zu 2500 Euro monatlich. Das Medikament stellt für Eiermann "ein neues Therapieprinzip" dar, das "vollkommen neue Möglichkeiten" eröffne. "Verglichen hiermit sind alle Fortschritte der Chemotherapie in den letzten Jahren Peanuts."