Wiedeking glaubt an friedliche Einigung mit Wulff im Streit um VW-Aufsichtsrat
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking glaubt an eine friedliche Einigung im Streit um die Besetzung des Aufsichtsrats bei Volkswagen. "Ich bin mit Herrn Wulff in geordneten Gesprächen", sagte Wiedeking in einem Interview mit dem SPIEGEL, in dem er sich erstmals öffentlich zum Einstieg des Stuttgarter Sportwagenbauers beim Autokonzern Volkswagen äußerte. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff fordert den Rücktritt des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch, dem er Interessenkollisionen vorwirft; Piëch ist zugleich Porsche-Großaktionär. Zum Vorwurf der Interessenkollision sagte Wiedeking: Volkswagen verkaufe lediglich 2,8 Prozent seiner Produkte im gleichen Segment wie Porsche. Kartrellrechtlich relevant sei eine solche Überlappung erst bei 25 bis 33 Prozent. Bei den 2,8 Prozent handele es sich übrigens um Bentley, Bugatti und Lamborghini - "alles Marken, die Ferdinand Piëch als VW-Vorstandsvorsitzender kaufte". Wiedeking: "Wenn es Interessenkollisionen gibt, waren sie schon da, als Herr Piëch Vorstandschef von VW war." Die Gutachten, mit denen Wulff seine Forderung nach Piëchs Rücktritt untermauert, gehen nach Ansicht Wiedekings von falschen Voraussetzungen aus: Sie berücksichtigten weder die geringe Überlappung noch die Geschäftsordnung des Vorstands. "Es obliegt dem Vorstand, das Produktprogramm zu definieren, nicht dem Aufsichtsrat. Interessenkollisionen können also gar nicht stattfinden, wenn man sich nach der Geschäftsordnung verhält", so Wiedeking im SPIEGEL-Gespräch. Zum geplanten Einzug von Porsche-Vertretern in den VW-Aufsichtsrat sagte Wiedeking, er wolle darüber keine öffentliche Diskussion lostreten. "Der gute Corporate Governance Codex sagt eindeutig: Die Aktionäre sollen im Aufsichtsrat ordentlich vertreten sein. Ich habe da aber auch keine Eile." Ob es dazu eine außerordentliche Hauptversammlung geben werde, sei intern noch nicht entschieden.