CDU-Minister fordert "gemeinsame" Leitkultur
Eine "gemeinsame Leitkultur" hat im Licht der Ereignisse in Frankreich der bundesweit einzige "Integrationsminister", Armin Laschet (CDU) aus Nordrhein-Westfalen, gefordert. Die Debatte darüber dürfe "aber nicht eine traditionell konservative Leitkultur-Diskussion werden, "nach dem Motto: Wir sind die Mehrheit, wir bestimmen", sagte der CDU-Politiker dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Deutsche sollten auch von Immigranten lernen, so Laschet, etwa in Bezug auf Kinderfreundlichkeit oder das Verhalten gegenüber Älteren: "Da können wir uns viel abgucken." Andererseits müssten Zuwanderer "natürlich unsere Vorstellungen der Gleichberechtigung von Mann und Frau akzeptieren". Zwangsehen beispielsweise seien "nicht akzeptabel".
Um eine solche gemeinsame Leitkultur zu entwickeln, müsse man "streiten in Familien, Vereinen, Parteien", forderte Laschet: "Ich wünsche mir, dass der Bürgermeister mit dem Hauptschullehrer zum Imam geht und knallhart darüber diskutiert, warum die türkischen Mädchen nicht mit zur Klassenfahrt dürfen." Bei solchen Konfliktthemen habe man "aus falsch verstandener Toleranz zu lange weggeschaut" und sei sich so "immer fremder geworden".
Laut einer Umfrage von TNS Infratest für den SPIEGEL halten 50 Prozent der Befragten Ausschreitungen wie in Frankreich auch in Deutschland für "eher wahrscheinlich". In Ostdeutschland sind dies sogar 60 Prozent. Zwischen dem 8. und dem 10. November hatte TNS Infratest rund 1000 Personen befragt.