BND bespitzelte Journalisten bis 1998
Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat bis 1998 versucht, mit nachrichtendienstlichen Mitteln Informationen über die Arbeit von Journalisten zu erlangen. In den Jahren 1997 und 1998 führte der Auslandsnachrichtendienst mindestens zwei Informanten in der Medienbranche, von denen einer unter anderem über den SPIEGEL berichtete. Der BND wollte auf diese Weise herausfinden, über welche Quellen der SPIEGEL bei der Aufdeckung des Plutonium-Skandals 1995 verfügte. Der Informant lieferte aber auch Details über Geschichten, an denen der BND nicht beteiligt war, unter anderem über die Recherche von zwei SPIEGEL-Redakteuren in Kolumbien anlässlich der Befreiung italienischer Geiseln aus der Haft linker Rebellen. Die Quellen wurden erst nach einem Erlass des damaligen BND-Präsidenten Hansjörg Geiger abgeschaltet. Der BND hat mittlerweile einen Sonderermittler eingeschaltet, der das Verhalten des Dienstes bei der Bespitzelung von Journalisten aufklären soll. Im Zentrum der Untersuchung steht die Überwachung des Publizisten Erich Schmidt-Eenboom, der ab Ende 1993 observiert und videoüberwacht wurde. Der damalige BND-Präsident Konrad Porzner hatte von der Aktion gewusst, weil Hausjuristen eine juristische Expertise erstellt hatten.