Versandhandels-König Michael Otto kritisiert Berliner Koalitionsvereinbarung und Mehrwertsteuererhöhung
Michael Otto, 62, Chef des gleichnamigen Versandhandelsimperiums, macht sich keine Illusionen über das bevorstehende Weihnachtsgeschäft: Steigende Energiepreise raubten den Bundesbürgern Kaufkraft, die Kompromisse der Großen Koalition "führen zu Verunsicherung. Und wenn die Bürger kein Vertrauen in die Zukunft haben, sparen sie", sagte Otto in einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Aufgabe der Regierung wäre es, Mut zu machen. Sie müsste zwar klare Einschnitte ankündigen, aber zugleich klarstellen, wann damit Schluss ist und dass es danach aufwärts geht." Er glaube nicht, "dass die Koalitionsvereinbarung der große Wurf ist". Kritik übte der Chef des größten Versandhändlers der Welt auch an den Berliner Plänen, die Mehrwertsteuer ab Anfang 2007 um drei Prozentpunkte zu erhöhen: "Sie sollte frühestens 2008 kommen, weil sie in nächster Zeit den mauen Konsum weiter drosselt, was vor allem zu Lasten von Tausenden kleiner Einzelhändler gehen wird." 60 Prozent des Bruttosozialprodukts liefere der private Konsum, sagte Otto, "erst wenn der in Schwung kommt, schaffen die Unternehmen auch neue Jobs. Es reicht nicht, dass wir Exportweltmeister sind", so Otto zum SPIEGEL. Statt über eine neue Reichensteuer solle der Gesetzgeber lieber über Änderungen bestehender Regeln nachdenken: "Wenn man damit die hiesigen Probleme lösen könnte, wäre ich gern bereit, ein paar Prozent mehr Steuern zu zahlen. Aber mein Eindruck ist, dass die Reichensteuer eher Symbolwert hat. Dagegen sehe ich nicht ein, weshalb beispielsweise die Veräußerung von Kapitalgesellschaften steuerfrei ist", sagte Otto dem SPIEGEL.