Sicherheitsrisiken im RWE-Hochspannungsnetz - DER SPIEGEL
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Sicherheitsrisiken im RWE-Hochspannungsnetz

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Essener Stromprimus RWE hat seit Jahren gravierende Sicherheitsmängel in seinem Hochspannungsnetz. Wie der SPIEGEL unter Berufung auf interne Vorstandsberichte von Ende des Jahres 2003 berichtet, hätten teilweise bis zu 60 Prozent aller RWE-Hochspannungsmasten schwerwiegende Materialfehler aufgewiesen. Viele Masten würden laut interner RWE-Risikoanalysen nicht einmal mehr 40 Prozent der normalen Zugbelastung standhalten. Wie der SPIEGEL weiter berichtet, sei dieses Problem schon seit dem Jahr 2000 innerhalb des Konzerns bekannt. Intern seien sogar sogenannte "Worst-Case-Szenarien" aufgestellt worden. Danach könne es bei extremen Wetterlagen aufgrund der Materialfehler zu "flächenhaften Mastumbrüchen kommen", wobei allein die Wiederherstellung des Netzes rund 350 Millionen Euro kosten würde. In dieser Analyse des Jahres 2002 kalkulieren die RWEManager sogar "strafrechtliche Haftungsrisiken durch Personenschäden" ein. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen solchen Unfall wird mit immerhin "bis zu 10 Prozent" eingeschätzt. Diese Informationen wurden in einer detaillierten Präsentation im September 2003 auch dem Holdingvorstand der RWE unterbreitet. Wie der SPIEGEL weiter berichtet, hat RWE diese brisanten Informationen trotz eindeutiger Warnungen der zuständigen Fachabteilungen jahrelang nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch Behörden wurden nicht unterrichtet. Selbst die Sanierungsprogramme der Masten liefen offenbar nur sehr zögerlich an. Inzwischen behauptet RWE, dass zumindest von den rund 2900 Strommasten, die als besonders gefährdend eingestuft wurden, rund 70 Prozent saniert seien. Der Rest werde im nächsten Jahr abgeschlossen. Für die Sanierung der restlichen gut 25.000 betroffenen Strommasten sei ein Zeitraum bis zum Jahr 2015 vorgesehen. Dabei werde durch externe Gutachter und neue Untersuchungsmethoden eine Gefährdung der Bevölkerung durch umfallende Masten und Hochspannungsleitungen ausgeschlossen. Dass bei der schleppenden Sanierung des Netzes finanzielle Überlegungen eine Rolle gespielt haben könnten, wie es in internen Papieren heißt, streitet RWE ab. Für die Sanierung der Masten, sagt der Konzern, bestünden keine finanziellen Einschränkungen. Für das gesamte Programm seien inzwischen mehr als 550 Millionen Euro bereitgestellt worden.