Armenier fordern Millionen-Entschädigungen von Deutscher Bank und Victoria Versicherung
Nachkommen von Überlebenden des Völkermords in Armenien 1915 wollen gerichtlich gegen zwei deutsche Finanzinstitute vorgehen, um Entschädigungen in bis zu dreistelliger Millionenhöhe für ausstehende Versicherungs- und Vermögenswerte einzufordern. Die Ansprüche der meist in den USA lebenden Hinterbliebenen, so ihre drei US-Anwälte, richten sich gegen die Deutsche Bank und die Victoriaversicherung. So seien nach dem Völkermord "mindestens 280 Policen von Armeniern nie ausgezahlt worden", sagt Anwalt Vartkes Yeghiayan nach Recherchen in US-Archiven. Weil die Klage gegen die Victoria, vor 16 Monaten in Los Angeles erhoben, wegen Zuständigkeitsfragen in einem Grundsatzverfahren vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe "in der Schwebe" sei, wollen die US-Juristen jetzt "alle Kanonenrohre auf die Deutsche Bank richten". Bei deren Vertretungen, etwa in Konstantinopel, unterhielten einst "Tausende von Armeniern" (Anwalt Mark Geragos) Konten und Schließfächer mit persönlichen Preziosen. Nach dem Massaker an den Armeniern reklamierte der türkische Staat diese Werte, Überlebenden blieb der Zugriff meist versperrt. "Wir wissen nicht, wie hoch die ausstehende Summe ist", so Anwalt Brian Kabateck, "aber es dürfte sich mindestens um etliche zehn Millionen Dollar handeln." Nach Angaben eines Deutsche-Bank-Sprechers "ist bislang keine Klageschrift eingegangen". Eine frühere Klage vor einem US-Bundesgericht sei bereits einmal abgewiesen worden. Dennoch sind die US-Anwälte optimistisch, dass ihre Forderungen Erfolg haben könnten: Nachdem der US-Versicherer New York Life 20 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen des Genozids überwiesen hatte, einigten sich die Anwälte nun auch mit dem französischen Axa-Konzern über die Zahlung von 14,4 Millionen Euro - für nie eingelöste Lebensversicherungen.