EZB-Chef Trichet mahnt Europa zu weiteren Reformen
Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), fordert von den Regierungen der EU-Staaten weitere Reformen: "Insgesamt muss der Wirtschaft, aber auch der Gesellschaft eine größere Anpassungsfähigkeit und mehr Flexibilität erlaubt und - in der Tat - abverlangt werden", sagte er in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Die Geldpolitik könne "nicht alle Probleme allein lösen". Trichet: "Wir benötigen ebenfalls durchgreifende strukturelle Reformen, um unser Wachstumspotential zu erhöhen." Aus politischer Sicht sei Europa "in einer Reifephase". Man habe "noch enorme Hausaufgaben zu erledigen. Aber sie sind zu bewältigen, weil wir es bereits bewiesen haben, dass wir es können. Wir Europäer müssen einfach mehr an uns glauben", sagte Trichet dem SPIEGEL. Zugleich verteidigte der EZB-Chef die jüngste Erhöhung der Leitzinsen auf 2,25 Prozent: "Stabile Preise sichern die Kaufkraft, erhöhen das Vertrauen, festigen die niedrigen mittel- und langfristigen Marktzinsen und fördern Investitionen." All dies sei "gut für Wachstum und für die Schaffung von Arbeitsplätzen". Die Zinserhöhung beuge Zweitrundeneffekten vor, "ein Risiko, das sich wiederum permanent auf die zukünftige Inflation auswirken würde", so Trichet. Die Bürger Europas verstünden aber, "dass Vorsorgen besser ist als Heilen". Deutschland sei derweil auf einem richtigen Weg: Mit der "enormen Aufgabe" der Wiedervereinigung sei das Land "sehr gut vorangekommen", so Trichet zum SPIEGEL. Zudem habe sich die Kostenwettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft seit Einführung des Euro "im Vergleich zum EU-Durchschnitt deutlich verbessert".