Erfolgreiche Operation Chirurgen planen weitere Gesichtstransplantationen
Der erste Mensch, dem jemals ein fremdes Gesicht transplantiert wurde, macht offenbar so gute Genesungsfortschritte, dass die behandelnden Ärzte nun weitere Eingriffe vorbereiten. "Wir versuchen, in den nächsten drei Jahren fünf Patienten ein neues Gesicht zu transplantieren", sagte der französische Chirurg Bernard Devauchelle vergangenen Mittwoch am Rande eines Symposiums in Tucson, Arizona.
Im November hatten er und sein Kollege Jean-Michel Dubernard im französischen Amiens die erste partielle Gesichtstransplantation der Welt gewagt: Dazu setzten sie einer 38 Jahre alten Frau einen dreieckigen Gewebelappen - die Nase, die Wangen und den Mund einer toten Spenderin - ins Antlitz und nähten ihn fest. Das Transplantat entsprach in Größe und Hautfarbe jener Gesichtspartie, welche der Empfängerin von ihrem eigenen Hund abgebissen worden war.
"Die Operation war einfacher, als wir dachten; unsere Patientin ist zufrieden, und es geht ihr gut", sagt Dubernard, der vor sieben Jahren die weltweit erste Handverpflanzung verantwortet hatte. Die Franzosen präsentierten nun erstmals Bilder vom Verlauf der Gesichtstransplantation. Die Fotos nach dem Eingriff zeigen eine Frau mit einem verblüffend normalen Gesicht, der man in die Augen schaut. Die Operationsnaht zieht sich wie ein rötliches Dreieck rund um ihr Gesicht.
Die Frau kann ihre neuen Lippen noch nicht bewegen, aber sie kann essen, sprechen - und sie raucht Zigaretten. "Das Empfinden und die Weiterleitung von Nervensignalen kehren gegenwärtig in das Transplantat zurück", erklärte Devauchelle. Vergangenen Sonntag habe die Frau einen Stadtbummel durch Lyon unternommen, ohne dass sie aufgefallen wäre, berichteten die Ärzte. Eine beginnende Abstoßung des fremden Gewebes nach 22 Tagen habe man mit Medikamenten rasch in den Griff bekommen.
Nach dem Auftritt in Tuscon gratulierten etliche der anwesenden Transplanteure den Franzosen. Viele Experten gehen jetzt davon aus, dass auch in den USA die erste Gesichtsverpflanzung jederzeit erfolgen kann. Ein US-Team der Cleveland Clinic sucht derzeit unter 15 entstellten Menschen nach geeigneten Kandidaten. Ein konkurrierendes Team aus Louisville, Kentucky, hat schon eine Empfängerin gefunden.