Deutscher Geschäftsmann soll zentrale Rolle bei Atomschmuggel gespielt haben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Deutscher Geschäftsmann soll zentrale Rolle bei Atomschmuggel gespielt haben

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der deutsche Geschäftsmann Gotthard Lerch soll eine weit wichtigere Rolle als bislang bekannt bei dem internationalen Schmuggel von Atomtechnologie gespielt haben. Nach den Erkenntnissen deutscher Ermittler hat Lerch persönlich die Produktion einer Urananreicherungsanlage für das libysche Regime beaufsichtigt und dafür 55 Millionen Mark kassiert. Lerch, der ab kommendem Freitag in Mannheim vor Gericht steht, wird durch Aussagen von südafrikanischen und sri-lankischen Mitbeteiligten schwer belastet. Der 63-jährige Deutsche sei "Hauptauftragnehmer" des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi gewesen, heißt es in einer bislang geheimen Vernehmung des sri-lankischen Geschäftsmannes Buhary Seyed Abu Tahir durch Beamte des Bundeskriminalamtes. Der Schmuggel der Atomtechnologie, der Oktober 2003 aufgeflogen war, ist nach Erkenntnissen der deutschen Ermittler bereits Mitte 1997 in Istanbul in einem Café in die Wege geleitet worden. Insgesamt habe sich Libyen das Projekt 85 Millionen Dollar kosten lassen. Deutsche Ermittler und die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien prüfen derzeit, ob der gleiche Personenkreis auch das iranische Atomprogramm unterstützt hat. Der Kopf des Netzwerkes, der pakistanische Wissenschaftler Abdul Qadir Khan, soll dem Regime in Teheran geheime Pläne für eine hochmoderne Urananreicherungsanlage geliefert haben.