Ost-West-Streit um Verantwortung für das Hochwasser
Die neuerliche Jahrhundertflut an der Elbe hat für eine handfeste Verstimmung zwischen ost- und westdeutschen Politikern gesorgt. Am vorigen Mittwoch schickte Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) einen ernsten Brief an seinen niedersächsischen Amtskollegen Hans-Heinrich Sander (FDP), in dem er Schuldzuweisungen für die dramatische Lage in den niedersächsischen Hochwassergebieten zurückweist. "Mit großer Verwunderung", so Woidke, habe er "zur Kenntnis genommen, dass als mögliche Ursache für die Überschwemmung der Stadt Hitzacker die nicht erfolgte Flutung der Havelpolder ins Gespräch gebracht wurde. Ich möchte Sie hiermit bitten, solchen Mutmaßungen entschieden entgegenzutreten". Auch ein Fluten der Rückhalteflächen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, so Woidke, hätte das Hochwasser nicht verhindern können. Mit seinem Brief reagierte der Umweltminister auf zuvor geäußerte Kritik aus Hannover: Sander hatte gewettert, dass die Bereitstellung der Polder Sache der Länder am Oberlauf des Flusses sei; sein Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte einen Länderstaatsvertrag über die Flutung der Entlastungsflächen gefordert, "damit nicht mehr so viel Wasser die Elbe abwärts fließt".