Air Berlin droht ein Konflikt mit den eigenen Piloten
Ein Konflikt mit ihrer wichtigsten Beschäftigungsgruppe, den Piloten, droht der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin im Vorfeld ihres geplanten Börsengangs. In einem vertraulichen Internet-Forum rufen unzufriedene Flugzeugführer ihre Kollegen neuerdings zum massenhaften Eintritt in die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) auf offenbar mit Erfolg. Inzwischen sind nach VC-Angaben schon über ein Drittel der rund 500 Air-Berlin-Cockpit-Angestellten der Organisation beigetreten. Die Funktionäre behandeln ihre Namen allerdings vertraulich, da Air-Berlin-Chef Joachim Hunold als erklärter Gewerkschaftsgegner gilt. Mit ihrer Kampagne wollen die Flugzeugführer bessere Arbeitsbedingungen, einen Tarifvertrag und einen Betriebsrat durchsetzen, nachdem Ende vergangenen Jahres bei einer geheimen Abstimmung bereits gut 40 Prozent aller Kapitäne und Copiloten für die Gründung einer Arbeitnehmervertretung votiert hatten (SPIEGEL 49/2005). Die Air-Berlin- Rebellen kritisieren, dass sie, gemessen an den Kollegen vergleichbarer Carrier, trotz längerer Arbeitszeiten bis zu 30 Prozent weniger verdienen und zunehmend unattraktive Kurzstreckeneinsätze absolvieren müssten. Das Management weist die Vorwürfe vehement zurück. Als noch recht junges Unternehmen, argumentiert Flugvorstand Karl F. Lotz, sei Air Berlin mit Konkurrenten wie LTU oder HapagFly nur bedingt vergleichbar. Außerdem hätten auch viele Wettbewerber die Gehälter für neueingestellte Piloten inzwischen deutlich abgesenkt und die Arbeitszeiten erhöht.