Börsen-Fehlstart von Air Berlin hat finanzielle Folgen
Der Aufschub des Börsengangs von Air Berlin könnte das Management und die begleitenden Banken noch in größere Turbulenzen stürzen. Nach der Preissenkung für die hochspekulativen Papiere (SPIEGEL 17/2006) fließen dem Unternehmen und den Eigentümern weniger Mittel zu als erwartet. Das Geld aber wird dringend benötigt, um neue Flugzeuge zu finanzieren und einen von der Commerzbank gewährten Kredit für eine Kapitalerhöhung zurückzuzahlen. Für den Ausbau neuer Strecken bleibt allerdings deutlich weniger übrig als erhofft. Selbst Emissionserlöse, die bereits fest eingeplant waren, drohen sich nun in Luft aufzulösen: Wer schon gezeichnet hat, kann seine Order nun wieder zurückziehen. Nach dem Fehlstart am Aktienmarkt sind zudem die Chancen der Airline gesunken, bei der Neuordnung des Billigflugmarkts eine führende Rolle zu spielen. Noch vor kurzem hatte der TUI-Vorstand ein mit Codenamen versehenes Strategiepapier diskutiert, das als eine Variante vorsah, seine Ableger Hapagfly und HLX zusammen mit der DBA ("Carnival") bei Air Berlin ("Margaux") einzubringen und sich dafür an dem neuen Verbund zu beteiligen. Die Pläne dürften jetzt Makulatur sein, da die TUI sich kaum an einem unsicheren Partner beteiligen wird. Lachender Dritter könnte die wieder profitable Thomas-Cook-Tochter Condor ("Banane") sein, die nach dem Willen der Eigentümer Lufthansa und KarstadtQuelle vom Konzern abgekoppelt werden soll und nun statt Air Berlin mit der TUI kooperieren könnte.