Wachsendes Risiko für Bundeswehr in Afghanistan - DER SPIEGEL
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Wachsendes Risiko für Bundeswehr in Afghanistan

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Nach Einschätzung führender deutscher Militärs hat sich die Situation in Afghanistan dramatisch verschlechtert. Besorgnis erregt vor allem die Zunahme von Selbstmordanschlägen auf Isaf-Friedens-Truppen und US-Streitkräfte. Allein auf der Route zwischen dem Isaf-Hauptquartier in Kabul und dem Bundeswehr-Camp "Warehouse" am Stadtrand wurden in diesem Jahr schon sechs Selbstmordangriffe verübt. Im ganzen Land sprengten sich bis Mitte vergangener Woche 27 Attentäter in die Luft, im gesamten vergangenen Jahr waren es 21 gewesen. Im Vergleich zu 2004 hat sich die Zahl verfünffacht. Auch Attacken mit improvisierten Sprengsätzen und Minen nehmen wieder zu. So wurde vergangenen Montag ein Sanitäts-Panzer der Bundeswehr bei Kunduz schwer beschädigt. Bei der Aufklärung der Attacken ist die afghanische Polizei offenbar keine Hilfe: Sie arbeite "sehr unprofessionell", bisweilen würden Vorfälle von ihr selbst "inszeniert", besagt ein Bericht für die Bundeswehr- Führung. Oft genug sei die Polizei "auch im Rahmen der Drogenkriminalität" als "Akteur" an "lokalen Machtkämpfen" beteiligt. Sorge bereitet Nato-Militärs zudem die neue afghanische Armee, die mit westlicher Hilfe aufgebaut und trainiert wird. Kurz nach der Aufstellung seien manche Bataillone – Sollstärke rund 600 Mann – fast um die Hälfte geschrumpft. Viele Soldaten setzten sich samt neuer Waffen und Ausrüstung zu Privat-Milizen regionaler Machthaber und Drogenbarone ab, die besser bezahlen als die Regierung. Die Bundeswehr hat rund 2500 Soldaten in Afghanistan stationiert und trägt die Verantwortung für den gesamten Norden, der als wichtiges Drogenanbaugebiet gilt.