China möchte direkte Teilnahme an Iran-Verhandlungen - DER SPIEGEL
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China möchte direkte Teilnahme an Iran-Verhandlungen

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

China ist offenbar an einer aktiven Rolle bei den Verhandlungen über Irans Atomprogramm interessiert. Das signalisierte der chinesische Premierminister Wen Jiabao vergangenen Dienstag bei einem Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der höflich verklausulierte Vorstoß, analysieren Diplomaten im Auswärtigen Amt, sei in der Sache eindeutig: Peking will sich, falls Verhandlungen mit Iran an Fahrt aufnehmen sollten, in der Region nicht von den anderen Großmächten Russland und USA abhängen lassen. Die Volksrepublik hat massive wirtschaftliche Interessen in Iran. Bereits im Herbst 2004 verständigten sich beide Länder auf ein 100 Milliarden Dollar schweres Abkommen über die Lieferung von Flüssiggas. Bei möglichen Atom-Verhandlungen mit Iran könnten somit die USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland mit Teheran am Tisch sitzen. Die Amerikaner hatten vorvergangene Woche überraschend ihre Bereitschaft zu direkten Verhandlungen mit dem Mullah-Regime bekundet. Auch Moskau zieht mit: Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Kisljak reiste vergangene Woche gemeinsam mit britischen, französischen und deutschen Kollegen unter Führung des EU-Außenbeauftragten Javier Solana nach Teheran – mit einer "Challenger" der Luftwaffe, die Außenminister Frank-Walter Steinmeier zur Verfügung gestellt hatte. Solana und die vier Diplomaten präsentierten den Iranern das Angebot über eine umfassende wirtschafts- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit, das die Außenminister als Gegenleistung für einen Atomkompromiss vereinbart hatten. Sie hinterließen jedoch kein Dokument in Teheran, sondern erläuterten die Offerte nur mündlich.