Neue Struktur für den BND
Der Bundesnachrichtendienst (BND) will nach diversen Skandalen mit einem radikalen Umbau die Flucht nach vorn antreten. Mehrere auf einer Klausurtagung Mitte Juni diskutierte Modelle sehen vor, dass sich der Auslandsnachrichtendienst künftig auf seine Kernaufgaben konzentrieren soll. Dazu zählen die technische Aufklärung, die Führung von Informanten und die Auswertung. Andere Bereiche wie die zuletzt im Zuge der Bespitzelung von Journalisten in die Kritik geratene Abteilung 8 (Sicherheit) könnten entweder aufgelöst oder umstrukturiert werden. Die BNDFührung erwägt auch, die traditionell getrennten Aufgabenfelder "Beschaffung" und "Auswertung" zusammenzuführen, um auf diese Weise ein Eigenleben der Abteilungen zu verhindern. Mit der Reform, die der neue BND-Präsident Ernst Uhrlau in Absprache mit dem Kanzleramt vorantreibt, soll die interne Kontrolle straffer und die Zahl der Führungsbeamten deutlich kleiner werden. Dafür könnten die Vizepräsidenten, denen bislang keine inhaltlichen Bereiche unterstehen, mehr Verantwortung übernehmen. Im Herbst will der BND dem Kanzleramt dafür ein Konzept vorlegen. Auch auf die wachsenden Spannungen innerhalb des Dienstes will die Amtsspitze nun rasch reagieren. Der geplante Teil-Umzug von Pullach nach Berlin sorgt in der Belegschaft weiter für Ärger, einige Beamte sprechen bereits von einem "Sicherheitsrisiko". Eine Beraterfirma hat nun für eine hausinterne Studie Mitarbeiter befragt und ein Stimmungsbild erstellt. Danach, so ein BND-Mann, fühlen sich die Pullacher Kollegen derzeit als Verlierer, die in Berlin arbeitenden Beamten hingegen als Avantgarde.