ThyssenKrupp soll mehr Schmiergeld gezahlt haben, als bislang angenommen
Bei den Ermittlungen der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gegen den ThyssenKrupp- Konzern wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Bestechung im Zusammenhang mit einem Rüstungsauftrag geht es um höhere Summen als bisher bekannt: umgerechnet mindestens 20 Millionen Euro. Bei dem Verkauf von vier Korvetten an Südafrika im Wert von rund 700 Millionen Mark durch ein deutsches Schiffsbaukonsortium 1999 hatte der Konzern den Betrag als sogenannte nützliche Aufwendungen in der Bilanz ein-gestellt (SPIEGEL 27/2006). So flossen insgesamt 25 Millionen Dollar an zwei Gesellschaften mit Sitz in London und dem westafrikanischen Staat Liberia. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die Gelder für Amtsträger in Südafrika bestimmt waren. Die gesamten Gelder wurden in mehreren Tranchen bis Oktober 2001 ausgezahlt. Derzeit gibt es fünf Beschuldigte. Hintergrund des Verfahrens: Zwischen Geschäftsanbahnung Mitte der neunziger Jahre und Auszahlung der Gelder fällt eine grundlegende Gesetzesänderung. Bis Februar 1999 waren Schmiergeldzahlungen im Ausland erlaubt und bedingt steuerlich absetzbar, seitdem ist diese Praxis verboten. ThyssenKrupp ist davon überzeugt, dass sich der Verdacht unzulässiger Provisionszahlungen nicht bestätigen wird. Die Staatsanwaltschaft lehnt aus ermittlungstaktischen Gründen eine Stellungnahme zu Details bislang ab.