Bundesweite Ermittlungen gegen Apotheken
Mit Sonderrundschreiben warnen derzeit Apothekerverbände ihre Mitglieder vor einem möglichen Besuch der Polizei. "Bundesweit", so informierte etwa der Landesapothekerverband Niedersachsen die Kollegen, liefen "staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Verdacht des Betruges". Den Pillenverkäufern wird vorgeworfen, falsch mit den Krankenkassen abgerechnet zu haben. Den lukrativen Zuverdienst der Apotheker entdeckten die Ermittler durch Zufall. Da die Hersteller von verschreibungspflichtigen Medikamenten in den vergangenen Jahren den Kassen einen staatlich verordneten Zwangsrabatt zahlen mussten, wurde jeder Apothekenverkauf von den Kassen an die Industrie gemeldet. Dabei stellte etwa Hoffmann- LaRoche erstaunt fest, dass die Apotheker in Deutschland deutlich mehr von dem teuren Arzneimittel NeoRecormon mit den Kassen abgerechnet hatten als ausgeliefert worden war. Die Schäden, die allein den Herstellern durch zu viel bezahlte Rabatte entstanden sind, werden auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Nach den bisherigen Ermittlungen sind diesmal nicht nur einige schwarze Schafe der Apothekerschaft betroffen. Die Zahl der Anklagen werde wohl, so heißt es bei den Ermittlern, eine dreistellige Größenordnung erreichen.