Tricks gegen befürchteten Studentenansturm auf Mainz
Die rheinland-pfälzische Landesregierung sucht fieberhaft nach Möglichkeiten, ihre Hochschulen vor einem Studenten-Ansturm aus Nachbar-Bundesländern zu schützen. Nachdem auch das CDU-regierte Hessen in der vergangenen Woche die Einführung von Studiengebühren beschlossen hat, rechnet vor allem die Mainzer Universität mit zahlreichen Wechslern. Wegen der drohenden Überlastung will die Uni- Leitung voraussichtlich zum Sommersemester 2007 für sämtliche Studiengänge eine notenabhängige Zulassungsbeschränkung (Numerus clausus) beantragen. Dennoch will Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) weiterhin allen in Rheinland-Pfalz wohnenden Studenten ein gebührenfreies Erststudium garantieren. Ob eine solche "Landeskinder-Regelung" Bestand hätte, ist jedoch unsicher: Im August hatte das Verwaltungsgericht Bremen eine ähnliche Regelung im Stadtstaat gekippt.
Der Mainzer Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner (SPD) lässt für alle Fälle schon einen "Plan B" ausarbeiten. Seine Juristen tüfteln an Modellen, nach denen etwa pro forma Studiengebühren eingeführt würden, alle in Rheinland-Pfalz lebenden Studenten diese aber in Form von Stipendien oder freiwilligen Sozialleistungen erstattet bekommen. Für den Landeshaushalt, so Zöllner, würden sich solche Tricks rechnen: Derzeit habe rund die Hälfte der fast 100.000 rheinland-pfälzischen Studenten den ersten Wohnsitz in Nachbarländern. Zögen sie alle ins Beck-Land, könne der Mainzer Finanzminister durch höhere einwohnerabhängige Zuweisungen aus dem Länderfinanzausgleich pro Jahr rund 90 Millionen Euro mehr einnehmen zu Lasten von Geberländern wie Hessen.