ZDF bringt Dokumentation über eigene Stasi-Verwicklung
Eine brisante Dokumentationsreihe in eigener Sache hat das ZDF für den 16., 17. und 19. November ins Programm genommen. Die beiden ersten, jeweils einstündigen Filme mit dem Titel "Die Feindzentrale" thematisieren die Machenschaften des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR rund um den Mainzer Sender selbst. Mehr als zwei Jahre lang hat sich der eigens dafür freigestellte "Aspekte"- Vizechef Christhard Läpple auf die Suche nach Stasi-Spuren im eigenen Haus gemacht. Die Recherche unter dem Codenamen "Bagage" war nur der Führungsspitze des Hauses bekannt. Läpple und sein Team werteten rund 350 000 Aktenseiten aus und befragten Hunderte Zeitzeugen mit frappierenden Ergebnissen. So gab es rund um das Zweite mindestens 235 IM-Vorgänge. Weniger als 10 davon waren den Recherchen zufolge indes ZDF-Mitarbeiter. Auf 6 Fälle aus diversen Bereichen der Anstalt, bis hin zum Fernsehratsmitglied, gehen die Dokumentationen näher ein. Einige der Betroffenen waren bereit, sich vor der Kamera zu äußern. Das gilt etwa für den heutigen ZDF-Mann Dietmar Schumann, der bei der Stasi offenbar als IM "Basket" geführt wurde und zu dessen Fall die Chefin der Birthler-Behörde vor der Kamera eine deutliche Bewertung abgibt. Auch der amtierende Wien-Korrespondent Michael Schmitz äußert sich zu Vorwürfen, die sich auf seine Zeit bei "Kennzeichen D" und als späterer ZDF-Berichterstatter in Ost-Berlin beziehen. Schmitz bestreitet im Film jede bewusste IM-Tätigkeit. Das ZDF-Justitiariat habe die Fälle im Lichte der Rechercheergebnisse geprüft, sagt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender auf Anfrage: "Es wird keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen geben." Stasi-Chef Erich Mielke bezeichnete das Zweite in seinen Befehlen schon mal als "Feindzentrale" was dem TV-Projekt jetzt den Sendetitel gab. Richtig Stimmung kam in Ost-Berlin auf, als einst das "ZDF-Magazin" von Gerhard Löwenthal aus dem Programm flog. Den Sendeschluss für den scharfen DDR-Kritiker reklamierte die Stasi für sich die Verantwortlichen in Ost-Berlin gönnten sich zur Feier gar einen Sekt. ZDF-intern war das Rechercheprojekt alles andere als unumstritten. Die Ergebnisse werden den Zuschauern jetzt zu recht später Stunde serviert: Teil eins und zwei laufen um 23.45 Uhr und um 0.10 Uhr. Beim dritten Teil am 19. November handelt es sich um eine Art zeitgeschichtliche Einordnung der Befunde von Joachim Jauer mit dem Titel "Antenne West das Fernsehen und die deutsche Einheit". Die Ergebnisse der internen Aufklärungsarbeit sollen nun in einem schriftlichen Recherchebericht festgehalten werden.