Berlin rechnet mit Anforderung für Bundeswehreinsatz in Südafghanistan
Nach dem Wahlsieg der Demokraten in den USA rechnet die Bundesregierung mit neuem Druck Washingtons, Kampftruppen in die Kriegsgebiete Südafghanistans zu schicken. In einer vertraulichen Sitzung des Verteidigungsausschusses betonte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am vergangenen Mittwoch zwar, es gebe für Afghanistan "keine militärische Lösung", statt mehr Truppen seien vielmehr verstärkte Anstrengungen beim zivilen Wiederaufbau nötig. Aber schon diese Woche bei der Nato-Parlamentarierversammlung in Quebec erwartet Berlin neues Drängen der USA, Kanadas, Großbritanniens und der Niederlande, die Last breiter zu verteilen. Einen Vorgeschmack hat kürzlich Karsten Voigt erhalten, der Regierungsbeauftragte für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Gesprächspartner in Washington erklärten ihm, die Bundeswehr könne nicht immerzu nur im ruhigen Norden Patrouille fahren. Die deutschen Soldaten müssten "lernen, zu töten". Berlin will die Partner einstweilen mit Einsätzen von Transportfliegern oder Fernmeldekräften hinhalten. In internen Planspielen wird aber nicht ausgeschlossen, bis zu zwei Kampf- Bataillone mit mehr als 1000 Soldaten in den afghanischen Süden zu schicken. Einer förmlichen Forderung der Allianz, die bisher gut 30 000 Mann starke Isaf-Truppe erneut aufzustocken, könne Deutschland sich kaum entziehen, heißt es im Kanzleramt. Am vergangenen Freitag verlängerte der Bundestag das Anti-Terror- Mandat der Bundeswehr, das auch Einsätze des Kommandos Spezialkräfte in Südafghanistan erlaubt.