Top-Manager bekam nach Ausscheiden enormes Beraterhonorar
Nach der Affäre um Geheimkonten und schwarze Kassen bei Siemens drohen nicht nur der Konzernführung empfindliche Strafen der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC. Auch die beauftragte Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG fürchtet offenbar, ins Visier der US-Kontrolleure zu geraten. Deutlich wird dies an der verzögerten Erstellung des neuesten Siemens-Jahresabschlusses, der in dieser Woche veröffentlicht werden soll. Seine Korrektheit müssen neben dem Vorstands-und Finanzchef auch die Wirtschaftsprüfer gegenüber der SEC bestätigen. Das umfangreiche Zahlenwerk lag den Aufsichtsräten bislang immer gut eine Woche vor der Verabschiedung im Kontrollgremium vor, damit sie sich auf die Sitzung vorbereiten konnten. In diesem Jahr zögerten die Prüfer ihr Testat jedoch bis zuletzt hinaus, so dass die Siemens-Aufseher den Geschäftsbericht erst kurz vor der geplanten Sitzung des Gremiums am Montag dieser Woche erhielten und eine Infoveranstaltung dazu abgesagt werden musste. Aufsichträte vermuten, dass den Bilanzexperten unter anderem die Verbuchung dubioser Beraterverträge in der Kommunikationssparte ("Com") Probleme bereitete, über die rund 200 Millionen Euro illegal aus dem Unternehmen geschleust worden sein sollen. Nutznießer der Com-Gelder waren offenbar nicht nur Auftraggeber für Großaufträge in Italien oder Griechenland. Auch einer der beschuldigten Siemens-Manager soll aus den Töpfen bedient worden sein. Der 56- Jährige, der als eine der Schlüsselfiguren in der Affäre gilt, befindet sich inzwischen auf freien Fuß, nachdem er bei der Staatsanwaltschaft umfassend aussagte. Als der Mann nach Ermittlungen in Liechtenstein Ende 2004 abrupt ausschied, erhielt er von hohen Managern der Siemens-Sparte einen Beratervertrag, der ihm pro Jahr rund 600 000 Euro zusicherte. Die Zahlungen wurden erst gestoppt, nachdem die hauseigenen Korruptionswächter den Vertrag unlängst entdeckten. Ein Siemens- Sprecher wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.