Totenkopf-Affäre bleibt für Soldaten weitgehend folgenlos - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Totenkopf-Affäre bleibt für Soldaten weitgehend folgenlos

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Keiner der an der Totenkopf-Affäre beteiligten Soldaten muss mit seiner Entlassung rechnen. Nach der Veröffentlichung geschmackloser Fotos, die Soldaten in Afghanistan beim Hantieren mit menschlichen Gebeinen zeigten, hatte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) im Herbst voll Empörung erklärt: "Wer sich so verhält, hat in der Bundeswehr keinen Platz." Doch nun, nach Abschluss der Ermittlungen des Heeres zu den Vorfällen in den Jahren 2003 und 2004, ist von Entfernung der Täter aus dem Militärdienst keine Rede mehr. Der promovierte Jurist Jung will vielmehr der Empfehlung der Heeresleitung folgen, lediglich gegen fünf Beteiligte ein disziplinargerichtliches Verfahren anzustrengen. Als Höchststrafe droht den Soldaten nun eine zweijährige Beförderungssperre. Gegen vier Unteroffiziere, die damals im Mannschaftsdienstrang waren und von "anwesenden Vorgesetzten nicht an ihrem Tun gehindert wurden", soll es keine Verfahren geben. Einen Reservisten, der durch besonders obszöne Bilder aufgefallen war, will das Heer immerhin dadurch bestrafen, dass er nie wieder zu Wehrübungen eingezogen wird. Auch Prozesse vor ordentlichen Gerichten drohen nicht: Die zuständigen Staatsanwaltschaften sahen den Umgang mit frei herumliegenden Knochen in einer Lehmgrube nicht als strafbewehrte Störung der Totenruhe an.