Airbus-Zugeständnis am Standort Hamburg war schon lange vereinbart
Das in der vergangenen Woche vorgestellte Airbus-Sanierungsprogramm "Power 8" ist weniger ausgewogen als offiziell dargestellt und trifft die Deutschen mindestens so stark wie die Franzosen. Bereits wenige Tage vor Bekanntgabe der Sparpläne lancierten Konzernmanager gezielt Informationen, wonach das Hamburger Werk als Ausgleich für den drohenden Jobabbau und die Veräußerung von bis zu drei Werken den Zuschlag für Teile der Endmontage des Erfolgsmodells A320 bekommen soll. Der Mittelstreckenjet wird bislang ausschließlich in Toulouse zusammengebaut. Auch ein Nachfolger aus Kohlefaser-Verbundstoffen, hieß es, werde in der Hansestadt montiert. Was die Führung von Airbus und ihrer Muttergesellschaft EADS als großzügiges Zugeständnis an die Deutschen verkauft, hat mit dem Power-8-Programm jedoch wenig zu tun und geht auf eine lange Zeit geheim gehaltene Regelung aus dem Jahr 2000 zurück. Weil damals die Franzosen bei der Arbeitsvergabe für das Großraumflugzeug A380 bevorzugt wurden, rang EADS-Chefaufseher Manfred Bischoff seinem inzwischen verstorbenen Co-Kontrolleur Jean-Luc Lagardère im Dezember 2000 die Zusage ab, in Hamburg eine zusätzliche Endmontagelinie für den A320 zu errichten, wenn die Produktionsrate in Toulouse auf mehr als 14 Jets pro Monat steigt. Die Vereinbarung wurde bislang nicht umgesetzt und den Franzosen eine Rate von 17 Maschinen zugestanden, weil die Airbus-Manager Proteste von Mitarbeitern und Gewerkschaften befürchteten. Die sechs Jahre alte Kompromissklausel dient den Deutschen nun als Joker, um im Poker um Jobs und Produktionsanteile nicht als Verlierer dazustehen.