Boeing-Chef James McNerney rechnet mit Aufstieg Chinas zum dritten Anbieter von Verkehrsflugzeugen
Der Chef des führenden Luftfahrt-und Verteidigungskonzerns Boeing, James McNerney, rechnet damit, dass die Chinesen schon bald zum dritten Anbieter von großen Verkehrsflugzeugen in der Welt aufsteigen. "Das wird ... passieren, ob wir ihnen helfen oder nicht", prophezeit der US-Manager in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL, "ich weiß nur nicht genau, wann."
In einem seiner ersten Interviews seit seiner Berufung vor gut anderthalb Jahren nimmt McNerney den krisengeplagten europäischen Konkurrenten Airbus ausdrücklich in Schutz. "Wir haben teilweise ähnliche Probleme gehabt", räumt der Boeing-Chef ein. Gleichzeitig lobt er den neuen Airbus-Großraumjet A380: "Das ist ein technologisch hochspannendes, wunderbares Flugzeug." Die Versuche der deutschen und französischen Regierung, ihren Einfluss auf die Airbus-Muttergesellschaft EADS auszuweiten, sieht McNerney eher gelassen. "Ich rege mich nicht über Dinge auf, die ich nicht kontrollieren kann", bekennt der Topmanager, "und die Eigentümerstruktur von Airbus gehört dazu." Gerüchten, wonach Boeing schon bald eine Neuauflage seines Erfolgsmodells 737 aus Kohlefaserverbundstoff auf den Markt bringen will, erteilt der Boeing-Chef gegenüber dem SPIEGEL eine Absage. "Wir brauchen erst noch neue, wesentlich weiterentwickelte Triebwerke", erläutert er, "und wir müssen prüfen, wie wir Verbundstoff bei kleineren Maschinen einsetzen können."