Verfassungsschutz will Scientology verstärkt überwachen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Verfassungsschutz will Scientology verstärkt überwachen

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern wollen die Überwachung der Scientology-Organisation verstärken. "Scientology traut sich öffentlich wieder viel mehr zu", warnt der baden-württembergische Verfassungsschutz-Chef Johannes Schmalzl. "Das ist eine gefährliche Psychogruppe mit einem demokratiefeindlichen Selbstverständnis, die den Willen ihrer Mitglieder brechen möchte. Deshalb müssen wir massiv gegensteuern." Seit Anfang März setzt auch der Hamburger Verfassungsschutz bei der Überwachung der Scientology-Anhänger wieder auf V-Leute und Geheimdienstmethoden wie Observationen oder Telefonüberwachung. Das Land Berlin will "in Kürze entscheiden, ob aufgrund der Äußerungen von Scientology im Zusammenhang mit ihrer neuen Berliner Niederlassung" die Beobachtung wieder aufgenommen werden könne, so Innensenator Erhart Körting (SPD). Berlin hatte nach einem Gerichtsurteil die Observation der Organisation aufgegeben. Die Verfassungsschutzbehörden reagieren mit der verstärkten Überwachung auf eine neue Strategie der Organisation. Auf einem "Expansionsgipfel" hatten die Scientologen im vergangenen Jahr beschlossen, ihr Engagement vor allem in europäischen Hauptstädten zu verstärken. Im Januar eröffnete Scientology in Berlin-Charlottenburg eine neue Hauptstadt-Repräsentanz. Das Zentrum ist nach Brüssel, Madrid und London bereits die vierte Niederlassung in einer europäischen Metropole. Mit dem Auftritt in den Hauptstädten sollen nach Angaben des Verfassungsschutzes gezielt Parlamentarier beeinflusst werden.