Ursachensuche Hamburger Baby-Tötung gibt Experten Rätsel auf
Rätsel gibt Experten der Fall des Babys auf, das in einer Hochhaussiedlung in Hamburg- Osdorf offenbar von seiner Mutter kurz nach der Geburt lebend vom Balkon im zehnten Stock geworfen wurde. "Dieser Fall passt in keines unserer gängigen Schemata", sagt Anke Rohde, Professorin für Gynäkologische Psychosomatik an der Universität Bonn.
Die klassische Neugeborenentötung - schätzungsweise 40 bis 60 Fälle pro Jahr in Deutschland - geschieht stets heimlich. Oft werden die Mütter von der Geburt selbst überrascht und bringen das Kind im Verborgenen zur Welt. Im Impuls töten sie es meist direkt danach, etwa durch Ersticken, und verstecken es.
Das spektakuläre im Fall des "Osdorfer Babys" spricht gegen einen typischen "Neonatizid", wie auch das Leugnen: "Normalerweise gestehen die Mütter in diesen Fällen nach Entdeckung der Tat sofort alles", sagt Rohde.
Die aggressive Art der Tötung weist eher Parallelen zur Wochenbettpsychose auf. Bei dieser Wahnerkrankung können imaginäre Stimmen der Mutter befehlen, ihr Kind zu erstechen oder aus dem Fenster zu werfen. Sie wird jedoch seltener sofort nach der Geburt akut. "Aus den bisher bekannten Fakten erschließt sich dieser Fall noch nicht", sagt Rohde. "Nur eine genaue psychiatrische Diagnostik wird wohl die inneren Beweggründe klären können."
Experten sind sich einig, dass Babyklappen oder anonyme Geburten solche Tragödien nicht verhindern können. "Die Frauen befinden sich psychisch in einer derartigen Ausnahmesituation, dass sie keinerlei Hilfsangebot planvoll in Anspruch nehmen können", so Rohde.