Bernotat gibt in Spanien nicht auf
E.on-Chef Wulf Bernotat glaubt nicht, dass das milliardenschwere Übernahmepoker um den spanischen Energieversorger Endesa für den deutschen Konzern bereits verloren ist. "Das Rennen in Spanien ist noch lange nicht gelaufen", sagte Bernotat in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Damit reagierte der E.on-Chef auf die überraschende Gegenofferte des italienischen Konkurrenten Enel und des spanischen Mischkonzerns Acciona, die am Freitag angekündigt hatten, ein eigenes Übernahmeangebot für Endesa vorlegen zu wollen. "Ob und wann ein solches Angebot kommt", warnte Bernotat, sei zurzeit fraglich. "Aber selbst wenn es dazu käme, würden die Endesa-Aktionäre wegen langwieriger Sperrfristen und Kartellverfahren frühestens in einem Jahr Geld sehen. Bei uns dagegen wissen sie, was sie bekommen - und zwar jetzt." Insofern gebe es auch keine Notwendigkeit, das eigene Übernahmeangebot zurückzuziehen. "Bis zum Ende der Annahmefrist", so der E.on-Chef, "halten wir uns auf jeden Fall alle Optionen offen." Wie Bernotat in dem SPIEGEL-Gespräch weiter ausführte, müssen sich die Kunden in Deutschland auf "erhebliche Steigerungen" bei den Stromkosten einstellen. Die von der EU beschlossene Senkung des CO2-Ausstoßes um 20 oder sogar 30 Prozent, so der E.on-Chef, sei nicht "zum Nulltarif" zu haben. "Das sind sehr anspruchsvolle Ziele, und ich hoffe, dass die Politik in den nächsten Monaten den Mut finden wird, den Verbrauchern zu sagen, was sie dafür zahlen müssen." Der 58-jährige Manager plädierte für eine weitgehende Beibehaltung des deutschen Energiemixes aus Braun- und Steinkohle, Kernkraft, regenerativen Energien und Gas. "Ich glaube", so Bernotat, "dass wir in Deutschland den besten Energiemix haben, den man in Europa finden kann. Das sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen."