Siemens-Schlammschlacht erreicht Aufsichtsratschef Cromme - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Siemens-Schlammschlacht erreicht Aufsichtsratschef Cromme

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Schmiergeldskandal um Siemens muss sich jetzt auch der gerade erst inthronisierte Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme gegen Vorwürfe zur Wehr setzen. In einem Bericht an den von ihm geleiteten Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats vom 11. Dezember 2006 wird der Eindruck erweckt, das Kontrollgremium sei schon seit einigen Jahren ausführlich über das Schmiergeldsystem in der Kommunikationssparte informiert gewesen, berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Das 40-Seiten-Papier wurde von Albrecht Schäfer verfasst, lange Zeit Chefjurist des Konzerns und als Chief Compliance Officer bis Ende 2006 für die Einhaltung der Anti-Korruptionsvorschriften bei Siemens verantwortlich. Er schreibt, dass er bereits in der Sitzung des Prüfungsausschusses vom 26. Juli 2006 ausführlich über die dubiosen Zahlungen bei der Siemens-Sparte berichtet habe. Ausdrücklich habe er den Ausschuss darauf hingewiesen, dass es sich aufgrund "der Verzahnung der Verfahren in Liechtenstein und in der Schweiz" um ein "System handele". Mitglieder des Prüfungsausschusses halten dem entgegen, dass Schäfer keineswegs auf ein Schmiergeldsystem hingewiesen habe. Cromme sagte dem SPIEGEL: "Selbst ein bösgläubiger Mensch hätte hinter dieser Art der Darstellung nicht den Skandal vermuten können, vor dem Siemens heute steht." Heinz Hawreliuk, der als Arbeitnehmerverteter im Prüfungsausschuss sitzt, erklärte: "Das Gremium wurde offenbar bewusst hinters Licht geführt." Der Siemens-Konzern will sich nach Informationen des SPIEGEL mittlerweile von dem Juristen trennen. Er soll das Unternehmen ohne Abfindung verlassen. Zugleich berichtet der SPIEGEL, dass mittlerweile weit höhere Summen als die bisher untersuchten 420 Millionen Euro korruptionsverdächtig seien. Laut Insidern seien inzwischen problematische Zahlungen von bis zu einer Milliarde Euro auf dem Prüfstand.