Kommissar Zufall Spektakuläre Spur nach fast 26 Jahren
Nicht weit vom Ammersee, einer der beliebtesten Freizeitregionen Bayerns, fand man Ende September 1981 den toten Körper der zehnjährigen Ursula Herrmann. Das junge Mädchen war gekidnappt, in eine große Holzkiste gesperrt und mitsamt dieser vergraben worden.
Offenbar hatten der oder die Täter geplant, das Mädchen dort mehrere Tage versteckt zu halten. Sie forderten ein Lösegeld in Höhe von zwei Millionen Mark für die Freilassung der Schülerin, die allerdings schon nach wenigen Stunden in ihrem hölzernen Gefängnis erstickte. Die Entführer wurden nie gefunden.
Das könnte sich nach Informationen des SPIEGEL jetzt ändern - fast 26 Jahre nach der Tat.
Der Münchener Polizei kam Kommissar Zufall zu Hilfe: Vor einem Jahr sicherten die Beamten Spuren im Penthouse der Münchner Millionärin Charlotte Böhringer. Die 59-jährige Parkhausbesitzerin war erschlagen worden. Als Täter wurde ihr heute 32-jähriger Neffe als Täter angeklagt.
Doch den entscheidenden Hinweis im Fall Herrmann entdeckten die Fahnder in Böhringers Spülmaschine. Darin fanden sie ein Glas mit einer weiteren DNA-Spur von einem Unbekannten. Identische DNA konnte an einer Schublade im Wohnzimmer identifiziert werden.
Genau dieselbe DNA war nur wenige Monate zuvor an einer Schraube jener Kiste gesichert worden, in der Ursula Herrmann im September 1981 erstickt war. Der Mordprozess gegen den Neffen der ermordeten Millionärin wurde deshalb überraschend unterbrochen. Jetzt sucht die Polizei nach dem Mann, dessen DNA in beiden Mordfällen gefunden wurde.
Dass die fragliche DNA von einem Polizeibeamten oder Mitarbeiter stammt, der mit beiden Fällen zu tun gehabt haben könnte, schließt die Staatsanwaltschaft München inzwischen aus.
Vielmehr glauben die Fahnder, der Mann, der sich nun, 25 Jahre nach dem Mord an Ammersee, in Böhringers Wohnung aufhielt, könnte als Mörder Ursula Herrmanns in Frage kommen. Eine Freundin von Charlotte Böhringer hatte berichtet, die Tote habe eine Beziehung zu einem Mann aus der Schweiz mit einem dubiosen Vorleben unterhalten. Den Namen des Bekannten habe Böhringer jedoch nie verraten.
mak