Afghanistan: Frühere Mudschahidin fordern mehr Macht - DER SPIEGEL
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Afghanistan Frühere Mudschahidin fordern mehr Macht

Der ehemalige afghanische Staatschef Burhanuddin Rabbani hat seinen Nachfolger Hamid Karzai im Interview mit dem SPIEGEL aufgefordert, die früheren Mudschahidin stärker an der Macht zu beteiligen. Unterdessen nehmen die Kämpfe im Süden des Landes an Heftigkeit zu.
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Hamburg - Die jetzige Führung in Kabul sei eine von außen herbeigeschaffte Regierungsmannschaft, „die keinen Rückhalt in unserer Gesellschaft besitzt“, sagte Rabbani in einem Interview mit dem SPIEGEL.

Rabbani, ein Theologieprofessor, war nach dem Sturz des kommunistischen Nadschibullah-Regimes 1992 ins Präsidentenamt gelangt und fungierte offiziell bis kurz nach dem Sturz der Taliban als Staatsoberhaupt. Jene nationalen Führer aber, „die erfolgreich den Krieg gegen die Sowjetunion führten wie auch den Widerstand gegen die Taliban“, habe man einfach beiseitegedrängt.

Anfang April hatte der frühere Staatschef bereits die „Vereinigte Nationale Front Afghanistans“ gegründet, in der nicht nur viele bekannte Mudschahidin-Führer und ehemalige Warlords Mitglied sind, sondern auch namhafte Kommunisten des früheren Nadschibullah-Regimes sowie Vertreter der königlichen Familie. Rabbani lud auch die Taliban zur Mitwirkung in seiner Front ein.

Die neue Bewegung, so der Ex-Staatschef im SPIEGEL-Interview, wolle das Präsidialsystem abschaffen und erreichen, dass die Provinzgouverneure vom Volk gewählt werden. Den Vorwurf der Karzai-Regierung, die neue Großpartei spalte erneut das Land, weist Rabbani zurück: Aus ganz Afghanistan gingen derzeit Bitten um Aufnahme in die Nationale Front ein; selbst im Süden des Landes würden ihn Zehntausende unterstützen.

Der Süden gilt derzeit als wohl gefährlichste Region Afghanistans. Wie heute bekannt wurde, habe die Truppen der US-geführten Koalition dort bei Kämpfen um die Stadt Nahri Salaj, mehr als 70 Taliban getötet. Unter den Toten sollen auch fünf Taliban-Führer gewesen sein. Es habe aber weder Verluste bei den Koalitionstruppen, noch Opfer in der Zivilbevölkerung gegeben.

Im Nachbarort Sangin sollen Augenzeugenberichten zufolge jedoch vergangene Woche bei einem Luftangriff der Koalitionstruppen 40 Zivilisten getötet worden sein. Die Koalitionstruppen selbst bestätigten, es habe Opfer gegeben. Eine Angabe zu deren Zahl wurde jedoch nicht gemacht.

Zudem sollen am Freitag bei einem Luftangriff der westlichen Truppen im Bezirk Marja mindestens sieben Zivilpersonen getötet worden sein. Darunter auch Frauen und Kinder, sagten Zeugen am Samstag. "Ich weiß von sechs oder sieben Toten in meinem Dorf", sagte eine Verletzte, die man ins Krankenhaus der Provinzhauptstadt Lashkar Gah gebracht hatte.

Unterdessen meldet Reuters, dass der afghanische Außenminister Rangeen Dadfar Spanta vom Unterhaus des Parlaments aus seinem Amt entfernt wurde. Ihm wird angelastet, dass er die Vertreibung afghanischer Flüchtlinge aus dem Nachbarland Iran nicht stoppen konnte. Spanta, der lange in Deutschland lebte und als Technokrat gilt, ist damit bereits der zweite Minister, der wegen der Flüchtlingsfrage seinen Sessel räumen muss.

Im Unterhaus votierten heute 141 der 217 Abgeordneten in geheimer Abstimmung gegen Spanta, den Präsident Karzai erst vergangenes Jahr berufen hatte. Iran hat dem Reuters-Bericht zufolge im vergangenen Monat fast 50.000 Afghanen ausgewiesen.

Mit Material von Reuters