Ernste Differenzen zwischen Sarkozy und Merkel
Der Start des neuen deutsch-französischen Duos Nicolas Sarkozy und Angela Merkel war nicht so harmonisch wie öffentlich dargestellt. Während des dreistündigen Gesprächs zwischen Präsident und Kanzlerin kam es am vorigen Mittwoch in Berlin zu ernsten Differenzen bei den wesentlichen Themen. Zur Lösung des EU-Verfassungsstreits warb Sarkozy für sein Projekt einer sogenannten Mini-Verfassung, die nur einige unstrittige Elemente des bei Referenden in Frankreich und den Niederlanden gescheiterten Verfassungsvertrags übernehmen würde. Zugleich bot der Franzose aktive Hilfe bei der Suche nach einem Kompromiss bis zum Juni-Gipfel in Brüssel an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte extrem zurückhaltend auf die Vorschläge. Sie bekräftigte, möglichst viele Elemente des Vertragsentwurfs retten zu wollen, der unter anderem die Einführung eines dauerhaften EU-Präsidenten und eines Außenministers vorsieht. Der Entwurf sei als Ganzes bereits in 18 der 27 Länder ratifiziert worden, hielt sie dem Franzosen entgegen. Auf wenig Gegenliebe stießen auch Sarkozys Pläne, den Anteil des französischen Staats am gemeinsamen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zu erhöhen. Die Deutschen befürchten, dass sie bei wichtigen Entscheidungen wie etwa der Schließung von Werken der EADS-Tochter Airbus künftig weniger Mitsprache haben. Zum Auftakt der Gespräche im Kanzleramt hatte Sarkozy die deutsch-französische Freundschaft für "heilig" erklärt. Merkel beteuerte, sie sei "ganz sicher, dass unsere Zusammenarbeit gut sein und für die Menschen unserer Länder Fortschritte bringen wird". Nach dem Gespräch analysierte das Berliner Regierungslager intern schonungslos die erste Unwucht an der deutsch-französischen Achse. Die Zusammenarbeit mit Sarkozy, so ein Top-Diplomat, werde womöglich schwieriger als die mit seinem Vorgänger Jacques Chirac.