Früherer Siemens-Anti-Korruptionschef gerät weiter unter Druck - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Früherer Siemens-Anti-Korruptionschef gerät weiter unter Druck

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Ex-Chef der Anti-Korruptions-Abteilung bei Siemens, Albrecht Schäfer, rückt immer mehr in den Mittelpunkt der Affäre um die schwarzen Kassen des Konzerns. Er soll Informationen über mögliche Korruptionsfälle heruntergespielt oder unterdrückt haben – so zumindest haben es mehrere Ex-Manager ausgesagt. Schäfer bestreitet jedes Fehlverhalten. Ein früherer Top-Manager berichtet von einem Gespräch mit dem Juristen, nachdem er erfahren habe, dass in der Kommunikationssparte systematisch bestochen worden sein soll. Schäfer habe ihn versucht zu beruhigen, es könne nichts passieren. Falls etwas hochkochen sollte, seien dies eben die Verfehlungen einzelner Mitarbeiter – die Firma bleibe sauber. Der Manager schilderte auch einen Vorfall von Anfang 2006. Als damals die Schweizerische Bundesanwaltschaft die Siemens-Tochter Intercom durchsucht hatte, über die Hunderte von dubiosen Beraterverträgen abgewickelt worden waren, habe Schäfer dem Manager einen Stapel mit den Kontenunterlagen mit den Worten übergeben: So etwas müsse man ja nicht unbedingt dem Prüfungsausschuss mitteilen. Belastet wird Schäfer auch von einem früheren Com-Vorstand. Der wollte gegenüber Liechtensteiner Ermittlern aussagen, Schäfer habe ihm aber abgeraten. Siemens drohe dann womöglich ein Rechtshilfeersuche an deutsche Behörden. Weder Schäfer noch Siemens wollten sich zu dem Sachverhalt äußern. Schäfers Rolle führte zuletzt gar zum Krach zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Während einige Vorstände ihn, womöglich aus Angst vor möglichen Enthüllungen, halten möchten, fordert Aufsichtsratschef Gerhard Cromme seine Kündigung.